Während flammhemmende Berufskleidung oder beispielsweise verbaute F90 Fenster das Risiko am Arbeitsplatz minimiert, gibt es einen Bereich, in dem Brandschutz durch Kleidung besonders emotional und privat wird: bei der Nachtwäsche für Kinder. Hier geht es nicht um Industrienormen, sondern um die tief verwurzelte Sorge aller Eltern, ihr Kind im Schlaf vor einer der ältesten Gefahren überhaupt zu schützen. Die Antwort darauf ist eine oft unsichtbare Sicherheitstechnologie, die in scheinbar gewöhnlichen Schlafanzügen und Nachtkleidchen steckt.
Ausgelöst durch tragische Unfälle in den 1960er und 70er Jahren, führten Länder wie die USA und später Großbritannien strenge Standards für Kinder-Schlafanzüge ein. In Europa wird dies durch die Norm EN 14878 geregelt. Diese Norm klassifiziert Nachtkleidung für Kinder bis zu einer Körpergröße von 182 cm und schreibt für bestimmte Kategorien schwerentflammbare Eigenschaften vor. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie bei Brandschutzfenster Österreich, bei welchen es auch Klassen gibt. Zurück zu den Schlafanzügen: Der dahinterstehende Test ist simpel, aber entscheidend: Ein Stück des Stoffes wird einer kleinen Flamme ausgesetzt. Entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Flamme nach Entfernen der Zündquelle über den Stoff ausbreitet – oder eben nicht. Ein sicherer Stoff brennt nicht weiter oder tut dies nur sehr, sehr langsam und erlischt von selbst, bevor ernsthafter Schaden entstehen kann.
Die Hersteller erreichen diesen Schutz meist auf zwei Wegen. Die erste Methode ist der Einsatz von inhärent schwer entflammbaren Fasern. Eine klassische und natürliche Lösung ist behandelte Wolle, deren Fasern von Natur aus schwerer entflammbar sind als Baumwolle. Moderne, technischere Lösungen sind spezielle Viskosefasern, denen bereits bei der Herstellung Flammschutzmittel beigemischt werden. Diese Fasern sind weich, hautsympathisch und vor allem: ihr Schutz ist dauerhaft. Er kann nicht ausgewaschen werden. Die zweite Methode ist die chemische Ausrüstung klassischer Baumwollstoffe. Dabei wird das fertige Gewebe mit Flammschutzmitteln getränkt. Dies kann den Tragekomfort leicht verändern und erfordert eine genaue Beachtung der Pflegehinweise, da der Schutz durch zu heißes Waschen oder aggressive Waschmittel mit der Zeit nachlassen kann.
Für Eltern bedeutet dies beim Einkauf ein genaues Hinsehen. Der wichtigste Indikator ist das Pflegeetikett. Ein Schlafanzug, der die Sicherheitsnorm erfüllt, muss dies nicht immer groß bewerben, aber das Etikett enthält oft einen entsprechenden Hinweis wie „Schwerentflammbar nach EN 14878“ oder das bekannte Symbol eines lodernden Kreises mit der Ziffer „1“. Von größter Bedeutung ist die Passform: enganliegende Schlafanzüge aus schwerentflammbarem Material bieten den besten Schutz, da weniger Sauerstoff zwischen Stoff und Haut zirkuliert und der Stoff nicht so leicht an eine Kerze oder Heizung geraten kann. Weite, fließende Nachtkleider aus leichtem Baumwollbatist, die anachronistisch an „Heidi“ erinnern, bergen hingegen ein deutlich höheres Risiko.
Dieser unsichtbare Schutz in der Kinderkleidung ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Regulierung und Technologie im Alltag ankommen und stillschweigend Sicherheit schaffen. Es ist ein Stück Frieden für die Eltern, das im Schrank hängt, und ein fast unmerkliches Versprechen an das schlafende Kind: dass seine Welt, so sorglos sie sein mag, auch im Dunkeln behütet ist. Damit wird der simple Schlafanzug zu einem der intimsten und wertvollsten Stücke präventiven Brandschutzes überhaupt.

